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Trageberatung
10 Min. Lesezeit

Welche Babytrage ab Geburt? Der ultimative Ratgeber für Neugeborene

Tragetuch, Babytrage oder Mei Tai? Finde die richtige Tragehilfe für dein Neugeborenes mit diesem Ratgeber einer zertifizierten Trageberaterin.

Quokka mit Baby - natürliches Tragen von Geburt an
Kerstin Amelunxen
Kerstin Amelunxen
Still- und Laktationsberaterin IBCLC

Du erwartest ein Baby und fragst dich, welche Tragehilfe ab Geburt geeignet ist? Die Auswahl ist riesig, Tragetücher, Babytragen, Ring Slings, Mei Tais, und überall liest du andere Empfehlungen. Als zertifizierte Trageberaterin helfe ich dir, den Überblick zu behalten.

In diesem Artikel erkläre ich dir, worauf es bei einer Babytrage ab Geburt wirklich ankommt, welche Varianten es gibt und wie du die richtige Wahl für dich und dein Baby triffst.

Warum überhaupt tragen?

Babys sind Traglinge. In den ersten Lebensmonaten brauchen sie Nähe, Wärme und Geborgenheit, um sich sicher zu fühlen. Getragen zu werden entspricht ihrem biologischen Grundbedürfnis.[1]

Die Vorteile des Tragens sind wissenschaftlich belegt:

  • Babys weinen weniger und sind ausgeglichener.
  • Die Bindung zwischen Eltern und Kind wird gestärkt.
  • Die körperliche Entwicklung (Hüfte, Wirbelsäule) wird unterstützt.[2]
  • Eltern haben die Hände frei und mehr Mobilität im Alltag.
  • Stillen unterwegs wird einfacher.

Doch nicht jede Tragehilfe ist ab Geburt geeignet. Es gibt wichtige Kriterien, die du beachten solltest.

Was macht eine gute Babytrage ab Geburt aus?

Eine sichere und ergonomische Tragehilfe für Neugeborene erfüllt diese Anforderungen:

1. Anhock-Spreiz-Haltung (M-Position)

Die Beine deines Babys sollten angehockt sein, die Kindsknie sind höher als der Kindspo. Das unterstützt die gesunde Hüftentwicklung.[2] Die Tragehilfe muss diese Position ermöglichen, ohne die Beine zu strecken oder zu pressen.

2. Stützung des Rückens

Neugeborene haben noch keine ausgeprägte Rückenmuskulatur. Der Rücken des Babys sollte leicht gerundet sein (C-Form vor dem Laufalter), nicht durchgestreckt.[4] Die Wirbelsäule richtet sich im Laufe der Zeit auf und bildet die typische Doppel-S-Form aus. Die Tragehilfe muss den gesamten Rücken stützen, von der Kniekehle bis zum Nacken.

3. Kopfstütze

In den ersten Monaten braucht dein Baby eine zuverlässige Kopfstütze, da es den Kopf noch nicht selbstständig halten kann.[5] Jede gute Tragehilfe verfügt über eine Kopfstütze. Achte darauf, dass diese gut eingestellt ist, damit sie den Kopf deines Babys sicher stützt.

4. Enge Körpernähe

Dein Baby sollte fest und nah an deinem Körper sitzen, damit es nicht in sich zusammensacken kann und die Atemwege frei bleiben. Es darf nicht wackeln oder wegkippen.

Außerdem solltest du darauf achten, dass dein Baby nicht zu hoch und nicht zu tief sitzt. Die sogenannte "Kussregel" ist hierfür ein guter Anhaltspunkt: Du solltest dein Baby jederzeit problemlos auf den Kopf küssen können.

5. Freie Atemwege

Das Gesicht deines Babys muss immer sichtbar und frei sein. Die Nase muss frei bleiben. Achte darauf, dass das Kinn deines Babys nicht auf seine eigene Brust gedrückt wird, das würde die Atemwege gefährlich zusammenstauchen (Achtung, Erstickungsgefahr!).

Die Kopfstütze wird maximal bis auf Ohrhöhe hochgezogen, damit der Kopf gestützt ist, ohne das Gesicht zu verdecken.

Sicherheit geht vor

Vermeide Tragehilfen, die dein Baby mit dem Gesicht nach vorne tragen (Face-Out). Diese Position birgt mehrere Probleme:

  • Ergonomie: Face-Out ist für den Tragemenschen und das Kind unbequemer und belastet den Rücken stärker. Bei Jungen ist zudem unklar, welche Auswirkungen der Druck im Schrittbereich auf die Geschlechtsorgane haben könnte.
  • Fehlende Rückzugsmöglichkeit: Dein Baby kann sich nicht an dich kuscheln oder abwenden, wenn es Reize reduzieren möchte.
  • Kein Blickkontakt: Du kannst die Mimik und Signale deines Babys nicht sehen und daher schwer einschätzen, ob es überfordert ist.

Selbst Hersteller, die Face-Out-Positionen anbieten, empfehlen diese nur maximal 15 Minuten am Stück und möglichst nur zu Hause, nicht in großen Menschenmengen oder reizintensiven Umgebungen.[6]

Welche Tragehilfen eignen sich ab Geburt?

Es gibt verschiedene Arten von Tragehilfen, jede mit eigenen Vor- und Nachteilen. Hier ein Überblick:

1. Tragetuch (gewebtes Tuch)

Ein gewebtes Tragetuch ist ein langer Stoffstreifen (meist 3,5 bis 5 Meter), den du auf verschiedene Arten binden kannst. Es ist ab Geburt geeignet und wächst mit.[7]

Vorteile:

  • Sehr anpassbar und ergonomisch, perfekt für Neugeborene.
  • Eine Größe passt für alle Träger und alle Babys.
  • Viele Bindeweisen für unterschiedliche Situationen.
  • Gute Gewichtsverteilung, auch für längeres Tragen.

Nachteile:

  • Bindetechnik muss gelernt werden (aber es lohnt sich!).
  • Binden dauert am Anfang etwas länger.

Mein Tipp

Wenn du ein Tragetuch lernen möchtest, lass dich von einer Trageberaterin anleiten. Mit der richtigen Bindeweise ist ein Tuch schnell gebunden und super komfortabel.

2. Ring Sling

Ein Ring Sling ist ein kürzeres Tuch (ca. 2 Meter) mit zwei Ringen an einem Ende. Du trägst es über einer Schulter.

Vorteile:

  • Schnell angelegt, ideal für kurze Strecken.
  • Sehr gut für Neugeborene geeignet.
  • Asymmetrisches Tragen ermöglicht Stillen unterwegs.

Nachteile:

  • Gewicht liegt nur auf einer Schulter (für längere Tragezeiten weniger geeignet).
  • Technik muss geübt werden.

3. Babytrage (Fullbuckle / Vollschnalle)

Eine Fullbuckle (Vollschnalle) ist eine strukturierte Babytrage mit geschnalltem Hüftgurt und geschnallten Schultergurten.

Vorteile:

  • Kein Binden nötig.
  • Gute Gewichtsverteilung durch Hüftgurt.
  • Viele Modelle mit verstellbarem Steg.
  • Ideal für Eltern, die nicht binden möchten.

Nachteile:

  • Nicht alle Modelle passen ab Geburt (auf Neugeborenen-Einsatz achten).
  • Weniger individuell anpassbar als ein Tuch.
  • Kann bei sehr kleinen Babys je nach Modell zu groß wirken.
  • Fullbuckles haben am wenigsten Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Tragen.

4. Babytrage (Halfbuckle / Halbschnalle)

Eine Halfbuckle (Halbschnalle) hat einen geschnallten Hüftgurt und gebundene Schultergurte.

Vorteile:

  • Gute Gewichtsverteilung durch Hüftgurt.
  • Viele Modelle mit verstellbarem Steg.
  • Ideal für viele verschiedene Körperformen und individuell anwendbar.
  • Wenn du das Tragegefühl mit einem Tragetuch mochtest, ist die Halfbuckle eine schöne Alternative.

Nachteile:

  • Nicht alle Modelle passen ab Geburt (auf Neugeborenen-Einsatz achten).
  • Kann bei sehr kleinen Babys zu groß wirken.
  • Oft die teuersten Tragen, da sie einen größeren Stoffanteil und kleineren Gurtanteil haben.

Achte auf diese Merkmale bei Babytragen

Gute Babytragen ab Geburt haben einen stufenlos verstellbaren Steg (Breite zwischen den Beinen),[3] ein flexibles Rückenpanel (stützt den runden Rücken)[4] und eine integrierte Kopfstütze.[5]

Vermeide Tragen mit starren, breiten Rückenpanels für Neugeborene und solche, die keinen stufenlos einstellbaren Steg haben. Bei Neugeborenen- und Säuglingstragen solltest du zudem darauf achten, dass die Schultergurte nicht in der Mitte des Rückenteils angebracht sind.

5. Mei Tai (auch als Wrap Conversion)

Ein Mei Tai ist eine Mischung aus Tuch und Trage. Es hat ein rechteckiges Rückenpanel, einen Hüftgurt zum Binden und Schultergurte zum Binden.[8]

Vorteile:

  • Sehr anpassbar, gut für Neugeborene.
  • Einfacher zu binden als ein langes Tragetuch.
  • Viele Vorteile, die ein Tragetuch bietet, auch vom Tragegefühl her.
  • Bei Wrap Conversions: sehr gute Gewichtsverteilung mit vielen individuellen Anpassmöglichkeiten.

Nachteile:

  • Kann wegen dem großen Tuchanteil teilweise etwas teurer sein.

Elastisches Tragetuch oder gewebtes Tragetuch?

Viele Eltern starten mit einem elastischen Tragetuch, weil es als einfacher gilt. Das ist tatsächlich reine Geschmackssache, beide Varianten sind gut.

Elastisches Tragetuch

  • Sehr weich und kuschelig, sehr beliebt bei Neugeborenen.
  • Einfach vorzubinden (z. B. im Haus).
  • Gibt mit der Zeit nach, daher nur bis ca. 8 kg empfohlen (bitte an Herstellerangaben halten).[9]
  • Sollte dreilagig gebunden werden.
  • Oft kostengünstig.

Gewebtes Tragetuch

  • Stabil, gibt nicht nach (bessere Stützung).
  • Wächst mit, von Geburt bis Kleinkindalter.
  • Je nach Bindeweise einlagig oder zweilagig gebunden, dadurch luftiger und angenehmer im Sommer (wobei auch das Material des Tuchs eine wichtige Rolle spielt, wie warm es wird).
  • Vielfältige Bindevarianten möglich.
  • Ermöglicht auch Rückenbindeweisen, ab ca. 8 kg wird das Tragen auf dem Rücken empfohlen, da es Rücken und Beckenboden schont.

Wie finde ich die richtige Tragehilfe für mich?

Die beste Tragehilfe ist die, die zu dir, deinem Baby und eurem Alltag passt.Hier ein paar Fragen zur Orientierung:

  • Wie viel Zeit möchtest du investieren? Wenn du gerne lernst und Vielseitigkeit schätzt, ist ein Tragetuch ideal. Wenn es schnell gehen muss, wähle eine Babytrage.
  • Wie lange möchtest du tragen? Für längere Tragezeiten ist ein Tragetuch oder eine gut gepolsterte Babytrage besser als ein Ring Sling.
  • Trägt nur eine Person oder mehrere? Tragetücher passen allen. Bei Babytragen solltest du darauf achten, dass sie für beide Elternteile einstellbar ist.
  • Wird dein Baby im Winter oder Sommer geboren? Leichte Stoffe sind im Sommer angenehmer. Im Winter können mehrlagige Bindeweisen wärmer sein (oder eine Tragejacke nutzen).

Die häufigsten Fehler beim Tragen von Neugeborenen

Auch mit der besten Tragehilfe können Fehler passieren. Hier die häufigsten:

  • Zu locker gebunden: Wenn die Tragehilfe zu locker ist, kann dein Baby in sich zusammensacken, was die Atemwege beeinträchtigen oder blockieren kann. Teste die Straffheit, indem du dich nach vorne beugst: Der Körper deines Babys muss dabei eng an deinem Oberkörper bleiben und darf sich nicht von dir wegbewegen. Der Kopf darf sich bewegen, aber der Kindskörper muss fest am Oberkörper gebunden bleiben.
  • Beine zu gestreckt: Das Baby sitzt mit durchgestreckten Beinen, statt in Anhock-Spreiz-Haltung. Das belastet die Hüfte.
  • Kinn auf der Brust: Der Kopf ist zu weit nach vorne geneigt, die Atemwege sind eingeschränkt. Immer auf freie Atemwege achten!
  • Zu tiefe Position: Das Baby sitzt zu tief, du müsstest dich stark bücken, um es zu küssen. Die richtige Höhe ist etwa auf Brusthöhe. Eine zu tiefe Trageposition ist nicht nur unpraktisch, sondern auch unbequem für die Trageperson und kann zu Rückenschmerzen führen.

Sicherheit beim Tragen

Lass dir das Tragen von einer zertifizierten Trageberaterin zeigen, besonders beim ersten Baby. Eine falsche Technik kann unbequem sein, zu Schmerzen führen und die Atemwege behindern.

Meine Empfehlung als Trageberaterin

Probiere vor dem Kauf aus! Jede Familie ist anders, jedes Baby auch. Was für die eine Mama perfekt ist, kann für dich unpassend sein.

In einer Trageberatung kannst du verschiedene Tragehilfen testen, lernst die richtige Bindeweise oder Einstellung und bekommst Tipps für euren Alltag. Viele Eltern sparen dadurch Geld, weil sie nicht mehrere Tragehilfen kaufen, die dann ungenutzt im Schrank liegen.

Zusammenfassung

Eine gute Babytrage ab Geburt unterstützt die Anhock-Spreiz-Haltung, stützt den runden Rücken und bietet eine sichere Kopfstütze. Ob Tragetuch, Ring Sling, Babytrage oder Mei Tai, jede Tragehilfe hat ihre Vorzüge.

Die wichtigsten Punkte noch einmal:

  • Achte auf ergonomische Kriterien (M-Position, C-Form des Rückens, freie Atemwege).
  • Wähle eine Tragehilfe, die zu deinem Alltag und deinen Vorlieben passt.
  • Lass dich von einer Trageberaterin anleiten, um Fehler zu vermeiden.
  • Tragen stärkt die Bindung und erleichtert den Alltag.

Ich berate dich gerne individuell und helfe dir, die perfekte Tragelösung für dich und dein Baby zu finden. Mit einem großen Sortiment zum Ausprobieren und viel Erfahrung unterstütze ich dich auf dem Weg zum sicheren und entspannten Tragen.

Quellen

  1. [1] Kirkilionis, E.: "Ein Baby will getragen sein", 2014; Internationale Vereinigung für Trageberatung: Babys sind "Traglinge", Körperkontakt reguliert Temperatur, Atmung und Herzschlag
  2. [2] International Hip Dysplasia Institute: "Baby Wearing & Hip Development"; Fettweis, E.: "Hüftdysplasie", 2004: Anhock-Spreiz-Haltung unterstützt gesunde Hüftentwicklung
  3. [3] Trageschule Hamburg / Dresden Standards: Steg muss stufenlos verstellbar sein, von Kniekehle zu Kniekehle
  4. [4] Fräulein Hübsch / Madame Jordan FAQ: Rückenpanel aus Tragetuchstoff für optimale Stützung des runden Rückens
  5. [5] DIN EN 13209-2 Sicherheitsnorm für Tragehilfen: Kopfstütze essenziell für Neugeborene
  6. [6] Ergobaby "Baby Wearing Safety"; Tragenetzwerk e.V. Positionspapier: Face-Out vermeiden (Hohlkreuz, Reizüberflutung)
  7. [7] babyartikel.de Magazin "Unterschied Tragetuch Babytrage": Tragetuch bietet punktgenaueste Stützung für Neugeborene
  8. [8] Fräulein Hübsch "Die richtige Babytrage finden"; Urbia Forum Erfahrungen: Mei Tai / Wrap Conversion kombiniert Tuch-Anpassung mit einfacherer Handhabung
  9. [9] Tragenetzwerk e.V.; Herstellerangaben (z.B. Manduca Sling): Elastisches Tuch ab ca. 7–9 kg oft nicht mehr ausreichend stützend

Welche Trage passt zu euch?

In meiner Trageberatung probieren wir verschiedene Tragehilfen und Bindeweisen aus. Mit großem Test-Sortiment findest du die perfekte Lösung für dich und dein Baby.

Kerstin Amelunxen
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